Die Entstehung, Abbau und Verarbeitung und die Anwendungsbereiche der Kreide

Dieser ganze Produktionsprozess war reine, anstrengende Handarbeit, die nur beim Rührbottich und der Mühle mit der Industriealisierung maschinell stattfand. Beim Abbau wurden um 1940 auch schon die ersten Bagger eingesetzt.
Zwischen 1946 und 1962 wurden die bis dahin kleinen Kreidebrüche stillgelegt und in Klementelvitz begann ein VEB Betrieb den automatiserten Abbau mit Baggern und Zügen und Maschinen. In Spitzenjahren wurden hier 185.000 Tonnen Schlämmkreide und 55.000 t Rohkreide produziert.
Ab 1994 wurde der Betrieb mit einem neuen Eigentümer vollautomatisier und rationalisiert. Mit nur gut eiinem Zehntel der Belegschaft wuchs die Produktion auf 510.000 Jahrestonnen Schlämmkreide. Die Produduktionszeit hat sich von anfänglich ca. 80 Tagen auf 80 Minuten drastisch verkürzt.

Kreidestück aus dem Tagebau
Kreidestück aus dem Tagebau

Kritische Anmerkung:

Da die Kreidevorkommen auf Jasmund nur noch für einige Jahrzehnte in der Menge des jetzigen Abbaues reichen, sollte man sich von Seiten der Politik und des Bergamtes rechtzeitig Gedanken machen, wie wir diese unwiederbringlichen Lagerstätten behutsamer und langfristiger nutzen und erhalten können. Für die Industrie ist natürlich der Abbau auf Jasmund höchst lukrativ, da andere Kreidevorkommen nicht die Reinheit und Feinheit der Rügener Kreide aufweisen und sich dadurch die Produktion verteuert. Im Rahmen einer langfristigen Zukunftsvorsorge ist hier aber schon jetzt eine richtungsweisende Steuerung notwendig, dieses insbesonders vor der Tatsache, das der Abbau in Klementelvitz sich dem Ende nähert und neue Schürfgebiete vom Bergamt genehmigt wurden.

Anwendungsbereiche der Kreide

Die außergewöhnliche Feinheit und hohe Reinheit zeichnen die Rügener Kreide aus. Dadurch ist sie ideal für viele Anwendungen.
Ursprünglich wurde sie als Düngekalk zur Düngung der Äcker eingesetzt. Auch heute wird sie dazu verwendet, jedoch auch um Düngekompositionen herzustellen und um den PH-Wert versauerter Böden und Gewässer zu regulieren.
In der Industrie kommt sie als Kalkfarbe und als Füllstoff für Farben und chemischen Produkten, wie z. B. bei Kunststoffen zum Einsatz. In der Rauchgasentschwefelung bei Kraftwerken neutralisiert sie die schädlichen Abgase und liefert als recycelbares Produkt Gips. In der Fliesenindustrie wird sie als Füllstoff bei weißen Wandfliesen eingesetzt.
Schon seit über 100 Jahren bekannt, zwischenzeitlich aber wieder vergessen, ist die am Ende des 20. Jahrhunderts wiederentdeckte Heilkreide. Lesen Sie mehr...

mit freundlicher Unterstützung des
Kreidemuseums Gummanz