Das Gold der Ostsee - Entstehungsgeschichte und Wissenswertes
besonders sehenswert: Das Bernsteinmuseum Sellin

Bernstein mit pflanzlichen Inklusen
Bernstein mit pflanzlichen Inklusen

Die Entstehung von Inklusen
Damit Harz zu Bernstein und ein Tier oder Pflanzenteil zur Inkluse wird, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Der Einschluss muss vollständig mit Harz überzogen werden und muss formstabil bleiben, bis das Harz erhärtet ist
2. Das Harz muss durch Sonnen- und Hitze-einwirkung auf natürliche Weise geklärt werden.
3. Das Harz darf während des Erhärtens nicht schrumpfen und auch nicht durch später auflastende Gesteine beansprucht werden.

Ein einmaliger Stein mit 2 seltenen Tieren
Ein einmaliger Stein mit 2 seltenen Tieren

Ist das Insekt von nachfließendem Harz umschlossen, beginnt der Abbau der Weichteile in seinem Körperinneren. Dabei treten Muskeln, Drüsen und Körperflüssigkeit durch Körperöffnungen und Körperwandung aus. Deshalb ist die Umgebung der Inklusen häufig milchig-trübe (Verlumung). Mit der Zersetzung der Weichteile setzt bereits die Erhärtung des Harzes ein. Siehe oben.

Links im Stein der seltene Einschluss eines Scarabäus, der Laubwälder bevorzugt
Links im Stein der seltene Einschluss eines Scarabäus, der normalerweise Laubwälder bevorzugt

Häufigkeit von Inklusen
Obwohl die Artenvielfalt in der Zeit, als der Bernstein entstand, relativ groß war, sind Inklusenfunde selten. Nur etwa jedes 500. Bernsteinstück hat einen Einschluss, wobei in den Funden oft nur Fragmente der eingeschlossenen Lebewesen vorliegen. In Schlaubensteinen aus Baltischem Bernstein sind Einschlüsse so häufig, dass man in jedem zwanzigsten fündig werden kann, wenn sie nicht vorher schon durchsucht wurden. Häufig sind die Inklusen beschädigt. Deshalb sind Stücke mit vollständig erhaltenen Zeugnissen des damaligen Lebens wissenschaftlich besonders wertvoll.

und im gleichen Bernstein eine noch seltenere Inkluse eines Flohkrebses, der ja das feuchte Milieu des Spülsaumes als Lebensraum bevorzugt.
und im gleichen Bernstein eine noch seltenere Inkluse eines Flohkrebses, der ja das feuchte Milieu des Spülsaumes als Lebensraum bevorzugt.

Die Verwendung des Bernsteins zu Schmuckgegen-ständen ist seit der Altsteinzeit nachgewiesen. Da er wie Edelsteine selten war, wurde er früh und weit gehandelt, durch ganz Europa bis nach Ägypten und ins Zweistromland auf den Bernstein-Straßen.

Im 13. Jh. bildete sich ein Eigentumsrecht des Landesherrn (Bernstein-Regel) heraus, das von den Herzögen von Pommerellen (für Westpreußen und Pommern) auf den Deutschen Orden (auch für Ostpreußen) und von diesem auf die Herzöge von Preußen überging.
Wer unberechtigt Bernstein sammelte oder ausgrub, wurde von dem Strandvogt direkt an dem eigens dafür am Strand aufgestellten Galgen erhängt.

Trübe helle Bernsteine
Trübe helle Bernsteine

Seit dem 17. Jh. waren Königsberg und Danzig die Mittelpunkte der künstlerischen Bearbeitung.

Wie erkennt man Bernstein?
Im konzentrierten Salzwasser schwimmt Bernstein oben, im Süßwasser sinkt er langsam nach unten.
Bernstein kann man leicht anzünden, er riecht aromatisch nach Harz.
Bernstein wird bei Reibung auf Wolle elektrostatisch aufgeladen und zieht dann Staub und kleine Papierschnipsel an.
Zur Prüfung der Echtheit von Bernstein eignet sich auch die Fluoreszenz-Methode, da Bernstein unter UV-Licht weiß-blau strahlt, Plastik jedoch nicht.

Künstlich geklärte Bernsteine sind keine Seltenheit. Dabei werden trübe Naturbernsteine, rund 95 % der Naturbernsteine sind trüb, über mehrere Tage langsam in Rüb- oder Leinsamenöl erwärmt, um sie zu klären. Durch geschickte Temperaturregelung während des Klärungsprozesses können auch Sonnenflinten, Sonnensprünge und Blitzer, die in Naturbernsteinen äußerst selten vorkommen, gezielt hergestellt werden.

Verschiedene Formen und Farben von trüben Bernsteinen
Verschiedene Formen und Farben von trüben Bernsteinen
Oft wird auch ein hohes Alter des Steins vorgetäuscht. Beim so genannten Antikisieren wird nicht so begehrter heller Bernstein in einem elektrischen Ofen in gereinigtem Sand mehrere Stunden auf 100 °C erhitzt, um einen warmen Braunton zu erzeugen.
Diese Manipulationen sind nur schwer nachzuweisen.

Beim Pressbernstein werden kleine Bernsteinstücke und Bernsteinstaub, der bei der Bearbeitung anfällt, bei großer Hitze und unter hohem Druck zu größeren Stücken zusammengepresst. Sie dürfen in Deutschland und Österreich als Echt-Bernstein gehandelt werden.

Ein Bernsteinring für Riesenfinger
Ein Bernsteinring für Riesenfinger

Seit alters her schreibt man Bernstein heilende und wohltuende Wirkungen auf den Menschen zu. Artikel aus Bernstein sind Schmucksteine, Ketten, Armbänder, Anhänger, Zahnketten für Kleinkinder, mohammedanische Gebetsketten, neuerdings auch Lampenschirme und Bilder.

Bernstein in warmen Brauntönen, wie ergern zur Schmuckverarbeitung genutzt wird
Bernstein in warmen Brauntönen, wie er gern zur Schmuckverarbeitung genutzt wird

Fundorte auf Rügen
Bernstein wird bei starken Stürmen und entsprechenden Wellengang vom Meeresgrund ausgewaschen und an den Sandstränden angespült und abgelagert. Da Bernstein auf Grund seines spezifischen Gewichtes im Wasser treibt, verfängt er sich gern im losgerissenen Seetang.

Bernstein Video

 

Alle Fotos auf dieser Seite sind im Bernsteinmuseum Sellin entstanden.
Für die freundliche Unterstützung, Hilfe und fachliche Beratung möchte ich mich ganz herzlich bei Herrn Jürgen Kintzel, dem Inhaber des Museums, bedanken.